Mittwoch, 27. Juni 2012

Europa: Die Armut geht um - 1,4 Millionen "Armutsbetroffene" allein in Österreich

Tabelle zum Lesen durch Klick vergrößern.
Im Jahr 2010 waren 115 Millionen Personen bzw. 23,4 Prozent der Bevölkerung in der EU27 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Aber auch in Österreich ist dieser Wert auf ~17 Prozent gestiegen,  also bald jeder Fünfte der  von mindestens einer der folgenden drei Lebensbedingungen  betroffen waren: von Armut bedroht, unter erheblicher materieller Entbehrung leiden oder in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit leben. Bei den Kindern (0-17 Jahre) waren es in Österreich gar  ~19 Prozent.

Ohne Ehrgeiz: Europa 2020 Strategie. Die Verringerung der Anzahl der Personen in der EU, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind, ist ein Leitindikator der Europa 2020 Strategie. Die Armut sollte in dem  Programm um wenigstens 20 Millionen sinken. an sich schon ein minimales Ziel und eben nur ein lndikator. Die aktuellen neoliberalen Maßnahmen, denken wir nur an Griechenland, werden die Armut weiter verstärken. Eurostat meldet für 2010 eine aktuelle Zahl von 115.479.000 Armutsbetroffenen.

Europas Desaster. Im Jahr 2010 wurden die höchsten Anteile von Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet  waren, in Bulgarien (42 Prozent), Rumänien (41 Prozent), Lettland (38 Prozent), Litauen (33 Prozent) und Ungarn (30 Prozent) verzeichnet und die niedrigsten Anteile in der  Tschechischen Republik (14 Prozent),  Schweden und den  Niederlanden (je 15 Prozent), Österreich, Finnland und Luxemburg (je 17 Prozent). Gemessen an Rumänien erscheint Österreichs Armutsrate "niedrig". man scheint die Anstrengungen nach unten zu lizitieren.

Kinder sind besonders betroffen. In der EU27 waren im Jahr 2010 27 Prozent der Kinder unter 18 Jahren von mindestens einer der drei Formen der Armut oder der sozialen Ausgrenzung betroffen, gegenüber 23 Prozent  der Erwerbsbevölkerung (im Alter von 18-64 Jahren) und 20 Prozent der älteren Bevölkerung (im Alter von 65 Jahren und älter). In 20 Mitgliedstaaten waren Kinder am häufigsten betroffen, während in Bulgarien, Slowenien, Finnland und Schweden ältere Personen am häufigsten gefährdet waren. In Dänemark war die Erwerbsbevölkerung am häufigsten betroffen.

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Statistische Armutsindikatoren: 


1.0 Personen, die von Armut gefährdet sind, sind diejenigen, die in einem Haushalt mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle leben, welche auf 60 Prozent des nationalen verfügbaren Median-Äquivalenzeinkommens (nach Sozialleistungen) festgelegt ist. Das Äquivalenzeinkommen wird berechnet, indem das Gesamteinkommen des Haushalts durch seine, durch Anwendung folgender Gewichte, bestimmte Größe geteilt wird: 1,0 auf den ersten Erwachsenen, 0,5 auf die übrigen Haushaltsmitglieder ab 14 Jahren und 0,3 auf jedes Haushaltsmitglied unter 14 Jahren.


2.0 Personen, die unter erheblicher materieller Entbehrung leiden, leben unter Bedingungen, die durch fehlende Mittel eingeschränkt sind und sind von mindestens 4 der folgenden 9 Entbehrungskategorien betroffen: Sie sind nicht in der Lage
2.1die Miete/Rechnungen für Versorgungsleistungen/Ratenzahlungen für Mietkauf pünktlich zu bezahlen,
2.2 die Wohnung
ausreichend zu heizen,
2.3 unerwartete Ausgaben zu tätigen,
2.4 jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit
(bzw. vegetarische Entsprechung) zu haben,
2.5 einen einwöchigen Jahresurlaub weg von zu Hause zu finanzieren, sich
2.6 ein Auto,
2.7 eine Waschmaschine,
2.8 einen Farbfernseher oder
2.9 ein Telefon (einschl. Mobiltelefon) leisten zu können.


3.0 Personen, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbstätigkeit leben, sind diejenigen im Alter von 0-59 Jahren, in denen die Erwachsenen (18-59 Jahre) im vorhergehenden Jahr insgesamt weniger als 20 Prozent der Zeit gearbeitet haben. Studenten sind nicht miteinbezogen.


Die Gesamtzahl der Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, ist geringer als die Summe der Personen in jeder der drei einzelnen Komponenten von Armut und sozialer Ausgrenzung, da einige Personen gleichzeitig  von mehr als einer dieser Konditionen betroffen sind.