Montag, 25. März 2013

Familien in Europa

Die Research Agenda on Families and Family Wellbeing for Europe fasst sämtliche Aspekte und Voraussetzungen für das Wohl von Familien in einem zukünftigen Europa anhand von vier Szenarien zusammen.

Die Familienplattform (Family Platform), ein Konsortium aus zwölf Organisationen, die sich zusammengeschlossen haben, um wichtige Fragen in Verbindung mit Familienforschung und -politik zur Sprache zu bringen, hat sieben Prioritäten für weitere Forschung auf europäischer und nationaler Ebene bestimmt: Betreuung, Lebensverlauf und Übergänge, „Doing Family“ (d. h. den Familienalltag managen), Migration und Mobilität; Ungleichheiten und Ungewissheiten, Medien und neue Informationstechnologien und Familienpolitik.

Empfehlungen für die sieben Bereiche werden in einem umfassenden, 125 Seiten starken Bericht mit dem Titel „A Research Agenda on Families and Family Wellbeing for Europe“ ausführlich dargelegt. Der Bericht wurde von mehr als 170 Vertretern der Zivilgesellschaft, politischen Entscheidungsträgern und wissenschaftlichen Experten aus ganz Europa und darüber hinaus erarbeitet.

Die Bereitstellung von Betreuung – von höchstem Vorrang. „Das Thema Betreuung stand im Mittelpunkt, da die steigende Lebenserwartung, Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung und die hohen Kosten der Gesundheitssysteme zu einem sich verändernden Betreuungsbedarf geführt haben“, so der Bericht. „Aufgrund der steigenden Zahl gebrechlicher älterer Menschen ist mit einer Zunahme von Betreuungsdefiziten zu rechnen.“ Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bericht, die aktuelle Lage in puncto Bereitstellung von Betreuung in der EU je nach den verschiedenen Betreuungsempfängern (z. B. Kinder, ältere Menschen, Personen mit vorübergehendem Betreuungsbedarf und behinderte Menschen) zu vergleichen. Ferner ruft er dazu auf, gründlicher zu untersuchen, wie Informationstechnologien Betreuer unterstützen und die Unabhängigkeit von Betreuungsempfängern fördern können. Der Bericht spricht auch die Frage der Migranten an und weist darauf hin, dass ein wachsender Anteil von Betreuungspersonen EU-Einwanderer sind. Diesbezüglich empfiehlt der Bericht, Bereiche wie den Rechtsstatus eingewanderter Betreuungspersonen (und den Kampf gegen illegale Beschäftigung), Systeme für ein garantiertes Mindesteinkommen und Mindestlöhne, die Bezahlbarkeit von Betreuungsdienstleistungen im Allgemeinen und die Qualität der erbrachten Betreuung zu untersuchen.

Es ist wichtig, unbezahlte Arbeit zu messen. Der Bericht hebt hervor, dass das Management von Familien komplizierter und anspruchsvoller geworden ist, da weniger Zeit zu Hause verbracht wird und verschiedene Zeitpläne organisiert werden müssen. „Die Bewältigung des täglichen Familienlebens hängt mit der Frage zusammen, wie Familien bezahlte und unbezahlte Arbeit trennen oder miteinander vereinbaren. Dies wiederum ist mit Geschlechtergleichstellung verbunden, da der Großteil der unbezahlten Arbeit (wie etwa Betreuung) von Frauen übernommen wird“, führt der Bericht aus. Er unterstreicht die Notwendigkeit vergleichbarer Daten aus allen Mitgliedstaaten; diese „müssen auf zuverlässigen Konzepten zur Messung von unbezahlter Arbeit wie Haushaltsaufgaben und Kinderbetreuung basieren“. Die Messung unbezahlter Arbeit und die materielle Situation von Familien werden beide als Beispiel für Bereiche erwähnt, in denen moderne Indikatoren entwickelt werden könnten. „Die Umsetzung gemeinsamer und standardisierter Indikatoren in der europaweiten Forschung ist von ebenso wesentlicher Bedeutung wie die Einbeziehung aller Mitgliedstaaten und die Erweiterung der Forschung auf die Bewerberländer“, sagt der Bericht. „Es wäre nützlich, eine Koordinationsstelle zu bilden, die diese Entwicklung vorantreibt und die Übereinstimmung mit diesen Standards überwacht.“

Ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Familie erreichen. Nicht zuletzt empfiehlt der Bericht, die soziale Verantwortung von Unternehmen zu verbessern; entsprechende Ideen umfassen eine familienfreundliche Charta, die zwischen dem Arbeitgeber und den Arbeitnehmern eines Unternehmens vereinbart wird, und die Einbeziehung von Familienfreundlichkeit in den Geschäftsplan eines Unternehmens. „Politische Unterstützung für Firmen ist von entscheidender Bedeutung“, unterstreicht der Bericht. „Die Ergebnisse einer Erhebung (European Company Survey on Reconciliation of Work and Family Life), die 2010 vom deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht wurde und die Familienfreundlichkeit im Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Schweden untersuchte, zeigen, dass Unternehmen sich häufig darüber beklagen, dass sie vom Staat zu wenig Unterstützung für die Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen erhalten.“

Die Hauptergebnisse der EU-Familyplatform sind in einem Sammelband erschienen: Families in Europe – Volume 1: Family Wellbeing: Challenges for Research and Policy. Die zweite Publikation Families in Europe – Volume 2: Spotlights on Contemporary Family Life beinhaltet editierte Versionen aller Ausgaben des Online-Journals.

[Faires Europa.] LINK ➨ 
Research Agenda on Families and Family Wellbeing for Europe
Families in Europe – Volume 1: Family Wellbeing: Challenges for Research and Policy
Families in Europe – Volume 2: Spotlights on Contemporary Family Life
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23.3.12/ [Letzte Aktualisierung 31.3.13] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.