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Donnerstag, 9. Januar 2014

Big Business Fleisch: Fleischatlas / Meat Atlas 2014 - Download in deutsch & englisch

Wie viele Tiere werden in der Welt geschlachtet? Wer profitiert vom billigen Fleisch? Welche Hormone landen ungewollt auf unserem Teller und wie viele Pestizide werden eingesetzt?

Die Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben den "Fleischatlas 2014" mit Daten und Fakten zu den aktuellen Tendenzen im "Big Business Fleisch" veröffentlicht. Demnach werden bis Mitte dieses Jahrhunderts weltweit jährlich fast 470 Millionen Tonnen Fleisch – 150 Millionen Tonnen mehr als heute - produziert. Damit geht ein drastisch wachsender Flächenverbrauch für Futtermittel einher: Allein der Bedarf an Sojafuttermitteln zur Mästung der Schlachttiere würde von derzeit 260 Millionen auf über 500 Millionen Tonnen pro Jahr steigen.

Kolonialer Agrarmarkt. Nachdem der Fleischatlas 2013 gezeigt hat, welche Auswirkungen Europas Fleischkonsum auf die Schwellen- und Entwicklungsländer und aufs Klima hat, bringt der Fleischatlas 2014 Licht ins Dunkel des Big Business Fleisch – von Europa, über die USA bis hin zu den aufstrebenden Volkswirtschaften China und Indien.

Der expandierende Futtermittelanbau im Zuge des Fleisch-Booms führt darüber hinaus zu enormen Umweltbelastungen und negativen Auswirkungen auf die Menschen. Weltweit wandern über 40 Prozent bzw. rund 800 Millionen Tonnen der Ernte von Weizen, Roggen, Hafer und Mais direkt in die Futtertröge. Laut UN werden drei Viertel aller agrarischen Nutzflächen in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht: Flächen, die effizienter für den Anbau von Nahrungsmitteln für den Menschen genutzt werden könnten. Zudem "kaufen" reiche Länder im großen Stil Anbauflächen im Ausland ein. Allein die europäische Fleischproduktion benötigt pro Jahr im Durchschnitt 13 Millionen Hektar südamerikanische Anbauflächen für Futtermittel.

Thematisiert werden unter anderem auch aktuelle Tendenzen beim Fleischkonsum in den Industriestaaten, das Landgrabbing in Entwicklungsländern und mögliche Auswirkungen des derzeit verhandelten USA-Europa-Freihandelsabkommens. Der Fleischatlas 2014 zeigt an konkreten Beispielen, dass jenseits der "Massenindustrie Fleisch" Alternativen möglich sind.

 [Faires Europa.]⇒ 
Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt des FLEISCHATLAS 2014: 

IMPRESSUM
VORWORTE
ÜBER UNS
ELF KURZE LEKTIONEN

UNERSÄTTLICHER WELTMARKT In Asien findet im Schnelldurchgang ein  Wandel statt, den die Industrieländer längst hinter sich haben: Die Mittelschichten lösen eine Nachfrage aus, die mit dem Einsatz von Kapital und Technik bedient wird. Doch für Rinder ist jetzt weniger Platz als für Schweine und Hühner – vor allem aber boomen indische Büffel.

KONZENTRATION – DIE ZUKUNFT DER GLOBALISIERTEN INDUSTRIE Größenvorteile senken die Erzeugerpreise und steigern den Umsatz. Mit Zukäufen von Unternehmen stoßen die weltweit aktiven Fleischkonzerne unter die Größten der Lebenmittelbranche vor. Jetzt schlägt die Stunde der Banken, die auf
Rohstoffmärkten spekulieren, Kredite anbieten und weitere Fusionen planen.

FREIHÄNDLER WITTERN MORGENLUFT USA und EU verhandeln über ein neues  Handelsabkommen. Die Wunschliste der Industriekonzerne ist lang. Amerikaner möchten europäische Schutzvorschriften gegen Hormone, Antibiotika und Genmanipulationen aushebeln, Europas Fleischkonzerne hingegen endlich wieder Rindfleisch über den Atlanik verkaufen.

ROSAROT IM KÜHLREGAL Supermärkte mit Kühltruhen und Fast-Food-Ketten mit Qualitätsversprechen verändern das Einkaufen in den Städten der Boomländer. Die Städte wachsen so schnell, dass kleine Läden die Menschen nicht mehr versorgen können. Diese Aufgabe übernehmen kapitalstarke Lebensmittelketten.

IN DEN SCHLACHTHÖFEN DER WELT Das Töten von Tieren zur Herstellung von Nahrungsmitteln ist hoch industrialisiert. Die Schlachthöfe der globalen Konzerne verfügen über unvorstellbare Kapazitäten und liegen fern der Städte – Konsumenten sehen keine Verbindung mehr zwischen einem lebenden Tier und einem eingeschweißten Filet.

DEUTSCHES DUMPING-SCHLACHTEN Großbetriebe dominieren auch in Deutschland die Schlachthofbranche. Billiglöhne für die Leiharbeiter aus dem Osten der EU begünstigen weitereInvestitionen der Konzerne. Doch gegen noch mehr Mast- und Schlachtanlagen regt sich Widerstand.

TIERGENETIK: EINE HANDVOLL ARTEN FÜR DIE GANZE WELT Das Zuchtmaterial für die meisten Tiere in der industriellen Landwirtschaft stammt von einigen wenigen Firmen. Sie dominieren auch die Erforschung neuer Hochleistungsrassen. Dabei macht die zurückgehende genetische Vielfalt die Nutztiere anfälliger für Schädlinge, Krankheiten und Wetterextreme.

HORMONE – DER KAMPF UM DAS NEIN Hormonfleisch und -milch sollen in Europa  wieder zugelassen werden – darum bemühen sich die USA seit mehr als 25 Jahren. Dabei sind in der EU nur Wachstums-, nicht aber Sexualhormone verboten.

TIERFUTTER VERGEUDET ACKERLAND Drei Viertel aller agrarischen Nutzflächen werden heute in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht. Dabei wären sie effizienter für die Produktion menschlicher Nahrungsmittel zu verwenden.

SCHNITZEL, WÜRSTCHEN, GLYPHOSAT Was essen die Tiere, die wir essen? Wenn Fleisch, Milch und Eier Rückstände von Pestiziden, Herbiziden oder Medikamenten enthalten, nehmen wir diese Stoffe womöglich auch zu uns. Zwar schützen Gesetze vor den gefährlichsten Substanzen, aber sie bieten auch Schlupflöcher und ermöglichen Grauzonen, wie das Beispiel Glyphosat zeigt.

ARGENTINIEN, DAS SOJA-REICH Die globale Nachfrage nach Tierfutter hat einen neuen Typ Farmer hervorgebracht und der Regierung in Buenos Aires enorme Steuereinnahmen verschafft. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat soziale, ökologische und gesundheitliche Auswirkungen, die in der argentinischen Öffentlichkeit kaum diskutiert werden.

HÜHNER – WELTWEITER STEIGFLUG IN DIE FABRIK In den Industrieländern, wo die  Geflügelproduktion hoch industrialisiert ist, wird mittlerweile mehr Hühner- als Rindfleisch konsumiert. In Asien wird sich die Nachfrage vervielfachen. Hier endet die Zeit der Kleinproduzenten, Händler auf Fahrrädern und Lebendvogelmärkte.

DIE ZWEIFEL DER REICHEN In den Industrieländern scheint der Höhepunkt des Fleischbooms vorbei zu sein. Skandale haben die Konsumenten verunsichert, Informationen über die Folgen der Massentierhaltung sind weithin zugänglich. Aber Biofleisch bleibt für viele Menschen zu teuer, und neue Gütesiegel verwirren die Interessenten.

DIE NEUE HUNGRIGE MITTELKLASSE – VON RIO BIS SCHANGHAI Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – woher die Tiere und ihr Futter kommen sollen, um den künftigen Fleischkonsum in den fünf „Brics“-Ländern zu decken, weiß heute noch niemand.

URBANE TIERHALTUNG Tiere in der Stadt – für viele ein Widerspruch in sich. Gehören sie nicht aufs Land, jenseits von Lärm, Gestank und Luftverschmutzung? Und doch sind gerade sie für viele ärmere Stadtbewohner eine wichtige Lebensgrundlage, denn sie liefern preiswertere Nahrung als ihre Artgenossen auf dem Lande.

PROTEIN AUS GRAS UND GESTRÜPP Nomaden halten ihr Vieh auf Land, das für Nutzpflanzen ungeeignet ist. Sie produzieren große Mengen Nahrungsmittel und tragen zum Schutz der Natur bei. Aber sie erhalten zu wenig politische und rechtliche Unterstützung. Existenziell bedrohlich sind die Beschränkungen ihrer Wanderwirtschaft.

GUTE LEBENSMITTEL GESUCHT Bewusste Verbraucher in der reichen Welt erwarten Fleisch von hoher Qualität aus umweltfreundlicher, artgerechter Produktion. Als bewusste Akteure im Nahrungsmittelsystem können sie auch „solidarische Landwirtschaft“ treiben.

EINZELN UND GEMEINSAM TIERE, MENSCHEN UND UMWELT SCHÜTZEN Eine große Zahl von Organisationen und Netzwerken versucht naturgemäßere Agrarsysteme durchzusetzen. Individuelle Entscheidungen können zu anderen Arten der Ernährung führen. Am Ende entscheidet die Gesellschaft.

EINE SINNVOLLE EU-AGRAR-POLITIK Jahrzehntelang hat die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union die landwirtschaftliche Produktion verzerrt. Zu langsam wird sie umweltbewusster. Aber es ist auch eine GAP vorstellbar, die aktiv für eine sozial und ökologisch vertretbare Viehwirtschaft eintritt.

AUTOREN UND QUELLEN VON TEXTEN, KARTEN UND DATEN


Mittwoch, 3. Oktober 2012

Macht die EU-Politik aus ÖsterREICH ÖsterARM?

In einer aktuellen Analyse der Schweizer Bank UBS („Who wins with the Euro?“ European Weekly Economic Focus, 17 August 2012) wird ein Zusammenhang zwischen der Einführung des Euro und der Entwicklung des real verfügbaren Einkommens im Zeitraum 2000 bis 2010 hergestellt, in dem Österreich besonders ungünstig abschneidet.

Der die österreichische Politik- und Bankenwelt aufscheuchende Satz lautet:
Austria looks to be alarmingly weak – what this actually represents is very little change in nominal disposable income growth, coupled with inflation. 
Banken und gar der Österreichische Bundeskanzler höchstpersönlich haben sich genötigt gesehen, dieser Studie der UBS-Wirtschaftsforschung zu wdersprechen. Auch wenn die Studie durchaus auch anders bewertet und gelesen werden kann, wirft sie doch einen Lichtstrahl auf einen unterbelichteten Themenbereich der Eurokrise, nämlich der Einkommensverluste der privaten Haushalte in Deutschland und besonders in Österreich.

Wie sehr genervt die Bankenwelt von dieser Studie ist, das zeigt, dass das u.a. von  der Bank Austria Economics & Market Analysis Austria (UniCredit) herausgegebende "Fondsprofessionell" sich wohlwissend und vorsätzlich an den Stammtisch begibt, wenn das Papier damit endet: "Am Ende muss leider doch der dumme Satz zitiert werden: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe….“  Ein bemerkenswertes Eingeständnis. Und am Rande: Warum hat keine der Institutionen auf die Originalquelle verlinkt. Faires Europa tut dies hiermit.

[Faires Europa.]  LINK ➨  

Mittwoch, 25. Juli 2012

Die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen der EU und den Afrika-, Karibik- und Pazifikstaaten

Eine Publikation "Was kommt nach Cotonou? Die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen der EU und den Afrika-, Karibik- und Pazifikstaaten" von Dietmar Nickel, Experte für EU-Außenbeziehungen bei der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) behandelt die Tendenzen. Die Arbeit steht als Download (PDF) kostenfrei zur Verfügung.

Das Cotonou-Abkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen der Europäischen Gemeinschaft und den AKP-Staaten, der das besondere Verhältnis (insbesondere günstige Zollkonditionen) der EU mit diesen 79 Staaten regelt, bei denen es sich zum Großteil um ehemalige Kolonien der EU-Mitgliedstaaten handelt. Es bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Handels- und Entwicklungspolitik der EU und wird Ende 2020 seine Gültigkeit verlieren. Ob, wie im Abkommen vorgesehen, diese historische Weiterentwicklung von Yaoundé und Lomé eine Fortsetzung finden wird, ist offen.

Das Partnerschaftsabkommen von Cotonou regelt die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und der Gruppe der Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP-Staaten). Es wurde im Jahr 2000 für eine Dauer von 20 Jahren geschlossen und führt die Tradition der Partnerschaftsabkommen von Yaoundé (1965 bis 1975) und Lomé (1975 bis 2000) fort.

Das Cotonou-Abkommen verbindet die entwicklungspolitische Zusammenarbeit (Be­kämpfung der Armut) mit wirtschafts- und handelspolitischer Kooperation sowie einem breit angelegten politischen Dialog. Das Abkommen enthält verbindliche Vorschriften in den Bereichen "Good Governance", Achtung der Menschenrechte und Demokratie. Auf den Verstoß gegen die dort verankerten Grundwerte kann die EU mit der Aussetzung der finanziellen Unterstützung reagieren.

Einerseits mehren sich die Zeichen, die ein Auslaufen von Cotonou und einen Ersatz durch andere Strukturen andeuten. So begründet die EU strategische Partnerschaften mit Afrika, der Karibik und dem Pazifik und bemüht sich um den Abschluss von Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit allen AKP-Staaten. Im Zuge dessen könnte ein zweistufiges Vertragssystem mit allen Teilen des gegenwärtigen AKP-Verbundes entstehen, das einen Abschied von einer historisch gewachsenen Struktur darstellen würde. Dieses System könnte unter gewissen Bedingungen die bestehende Struktur adäquat ersetzen und die außenpolitischen Beziehungen der EU mit der Welt neu ordnen.

Andererseits würde die EU eine sich abzeichnende globale Zusammenarbeit mit einer AKP verpassen, die sich mit frischem Selbstverständnis neu erfindet. Das Potential einer solchen weltumspannenden Zusammenarbeit und die geeignete Form seiner Nutzung müssen in den kommenden Jahren von den zuständigen Akteuren Europäische Kommission und Europäischer Auswärtiger Dienst gemeinsam mit der AKP erkundet werden. Der politische Anstoß hierzu könnte auch vom Europäischen Parlament kommen.

AKP-Staaten. Ländergruppe afrikanischer, karibischer, pazifischer Staaten - Bezeichnung einer Gruppe von derzeit 79 Staaten, deren Beziehung mit der EU durch das Cotonou Abkommen geregelt ist. Sie stellt eine wichtige "Empfängergruppe" im Bereich der EU-Entwicklungszusammenarbeit dar und
wird durch den außerhalb des normalen Budgets der EU stehenden Europäischen Entwicklungsfonds EDF finanziert.

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Das »Deutsche Institut für Internationale Politik und Sicherheit« der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ist eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, die auf der Grundlage eigener, praxisbezogener Forschung den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik berät. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SWP tragen durch Analysen und Veröffentlichungen sowie ihre Mitwirkung an nationalen wie internationalen Fachdialogen zur Meinungsbildung in ihrem Arbeitsgebiet bei.

[Faires Europa.] LINK ➨  
Dietmar Nickel: Was kommt nach Cotonou? Die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen der EU und den Afrika-, Karibik- und Pazifikstaaten - SWP-Studien 2012/S 13, Juni 2012, 26 Seiten, pdf.
Aktuelle Aspekte der EU-Entwicklungspolitik
Die AKP-Staaten – traditionelle Partner der EU
Abkommen von Cotonou
Dr. Dietmar Nickel - Curriculum Vitae
Website. African, Caribbean, and Pacific Group of States
The Cotonou Agreement Revised - (2005)
The Cotonou Agreement (2000-2020)
Cotonou Agreement  - Non-State Actors' Guide
Europäischer Entwicklungsfonds (EEF)

Sonntag, 15. Juli 2012

EUROMED: „Frieden, Wohlstand und Menschenrechte rund ums Mittelmeer“ – Die Erklärung von Barcelona (1995)

Der Mittelmeerraum: Vorhof europäischer Interessen oder Zusammenarbeit und Entwicklung?

Die euro-mediterrane Partnerschaft (EUROMED) bezeichnet das Fundament der institutionalisierten Beziehung der Europäischen Union (EU) zu ihren Nachbarländern im südlichen Mittelmeerraum in Form von Handels-, Kooperations- oder Europa-Mittelmeer-Abkommen.

Die euro-mediterrane Partnerschaft wurde auf der euro-mediterranen Konferenz der Außenminister der EU und der Partnerländer in Barcelona im Jahr 1995 ins Leben gerufen, weswegen sie oft auch als Barcelona-Prozess bezeichnet wird. Im März konstituierte sich als permanentes parlamentarisches Kontrollgremium die Euromediterrane Parlamentarische Versammlung. Seit 2004 wurde die euro-mediterrane Partnerschaft durch die Instrumente der Europäischen Nachbarschaftspolitik ergänzt. Der Mittelmeerraum wurde 1995 von der EU zum „Gebiet von strategischer Bedeutung“ erhoben.

Union für das Mittelmeer. Am 13. März 2008 beschloss der Europäische Rat, den Barcelona-Prozess in eine Union für das Mittelmeer umzuwandeln. Die feierliche Gründung dieser Union fand am 13. Juli 2008 statt.

Gründungsmitglieder waren die  EU-Mitgliedstaaten, sowie zwölf von der EU ausgewählte Drittstaaten des Mittelmeers:
 Marokko
 Algerien
 Tunesien
 Ägypten
 Israel
 Libanon
 Syrien
 Jordanien
 Palästinensische Autonomiegebiete
 Türkei
 Republik Zypern (EU-Mitglied)
 Malta (EU-Mitglied)

Die Schlüsselinitiativen auf der Agenda der Union für den Mittelmeerraum sind angesichts der realen politischen, menschenrechtlichen und ökonomischen Situation als „Gebiet von strategischer Bedeutung“ allerdings sehr europa- und marktzentriert:
  • die Bekämpfung der Verschmutzung des Mittelmeeres, einschließlich Maßnahmen für Küsten und geschützte Meeresgebiete;
  • die Schaffung von Meeresautobahnen und Autobahnen, die die Häfen miteinander verbinden, sowie die Verbesserung der Schienenverbindungen, um den Personen- und Warenverkehr zu erleichtern;
  • ein gemeinsames Katastrophenschutzprogramm zur Prävention, Vorbereitung und Reaktion auf Naturkatastrophen und durch den Menschen verursachte Katastrophen;
  • ein Solarenergieprogramm für den Mittelmeerraum, das die Möglichkeiten für die Entwicklung alternativer Energiequellen in der Region untersucht;
  • eine Euro-Mittelmeeruniversität, die im Juni 2008 in Slowenien eröffnet wurde;
  • die Initiative zur Unternehmensentwicklung im Mittelmeerraum; die kleine Unternehmen in dieser Region zunächst bei der Bewertung ihrer Bedürfnisse unterstützt und ihnen dann technische Hilfe und Zugang zu Finanzierungen gewährt.
Open-Access-Essay. Ein Essay („Frieden, Wohlstand und Menschenrechte rund ums Mittelmeer“ – Die Erklärung von Barcelona (1995)) von den Historikern Johan Grußensteht und Friedhelm Hoffmann steht online zur Verfügung und beleuchtet eine jüngere Geschichte europäischer Politik, welche mit dem arabischen Frühling vor neuen Orientierungen und Problemen steht.

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Freitag, 8. Juni 2012

DGB: "Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Euro-Staatsschuldenkrise und neue Instrumente der Staatsfinanzierung"

Die europäische Integration befindet sich in der größten und schwersten Krise ihrer Geschichte. 

Die Situation in der Eurozone ist inzwischen alarmierend. Alle Wachstumsprognosen für die Eurozone sagen eine Rezession voraus. Die Hoffnung auf außereuropäische Wachstumsimpulse stoßen an ihre Grenzen. Die Schwellenländer, die selbst eine exportorientierte Entwicklungs- und Modernisierungsstrategie verfolgen kämpfen gegen Überhitzungsgefahren und müssen ihre Wachstumsdynamik eindämmen. Die USA befindet sich zwar dank einer aggressiven expansiven Geldpolitik auf einem Wachstumspfad, sind aber weder willig noch in der Lage, zum Wachstumsmotor für Europa zu werden. Doch die europäische Krise erfährt Tag für Tag eine neue Eskalationsstufe. An dieser Eskalation der Krise trägt die Politik eine schwere Mitschuld.

Im Einzelnen: 
• Die Rolle des Bankensektors
• Konsequenzen für Steuereinnahmen und Refinanzierungsmöglichkeiten
• Auswirkungen auf die Konjunktur
• Die Rolle der wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Staaten

[Faires Europa.]  LINK  ➨  
Deutscher Gewerkschaftsbund: "Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Euro-Staatsschuldenkrise und neue Instrumente der Staatsfinanzierung" anlässlich der öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages am 9. Mai 2012 - Berlin,  2.05.2012  (PDF, 161 kB)
[Letzte Aktualisierung 10.6.12]

Donnerstag, 7. Juni 2012

EU-Kommission greift mit Konsultationen zu Urheberrecht im Internet in laufenden ACTA-Prozess ein

MITMACHEN: A clean or open Internet? Online-Konsultation zwischen 4.Juni bis 5.September 2012.

Schon die Überschrift der Online-Konsultation ist mehr Propaganda denn Bürgerbefragung: "A clean and open Internet!". Bei dem Konsultatuonsmechanismus scheint das Interesse an den ACTA-Lobbyisten im Vordergrund zu stehen.

Offiziell richten sich die Konsultationen an alle Bürger und Organisationen (All citizens and organisations are welcome to contribute to this consultation).  Es sollte sich daher niemanden davon abhalten lassen, seinen Kommentar abzugeben – zusammen mit einem Statement, das klar macht, dass man von diesem Thema betroffen ist. Schaden kann es nicht. Besser als der x-tausendste gleichlatuende Blog- oder Forumsbeitrag ist das allemal.


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Dienstag, 5. Juni 2012

Die Europäische Union und die BRIC-Staaten


Die Abkürzung BRIC steht für die Anfangsbuchstaben der vier Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China. 

Der Begriff wurde von Jim O’Neill, Chefvolkswirt der Großbank Goldman Sachs, geprägt, welcher ihn in einer Reihe von Veröffentlichungen seit 2001 verwendete . Diese vier Staaten haben jährliche Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung von 5 bis 10 % (zum Vergleich: EU etwa 2 %), weshalb einige Prognosen voraussagen, dass sie bis 2050 die G8-Staaten überflügeln könnten. Seit April 2011 nimmt Südafrika erstmals als Mitglied am jährlichen Treffen dieser Staatengruppe teil, die sich seither BRICS nennt.

Kennzeichnende Merkmale der BRICS-Volkswirtschaften:

  • Brasilien: Rohstofflieferant und großes landwirtschaftliches Potenzial für soft  und hard commodities (Rohstoffe)
  • Russland: beträchtliche Vorräte an Öl und vor allem Erdgas, viele Industrieeinrichtungen noch aus Sowjetzeiten
  • Indien: "Denkfabrik" (Softwareprodukte u. a. aus Bangalore) und größter Generika-Hersteller der Welt, beginnende Industrialisierung
  • China: "Werkbank der Welt", immer mehr Innovationen, niedrige Löhne und riesiger Binnenkonsum (ca. 800 Millionen potenzielle Käufer)
  • Südafrika: "Tor zum afrikanischen Kontinent"


Die Bevölkerung der BRIC-Staaten ist fast sechs Mal größer als die Bevölkerung der EU. China (1.354 Millionen Einwohner im Jahr 2010 bzw. 20% der Weltbevölkerung) und  Indien (1.210 Mio. bzw. 18%) sind die bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Brasilien mit 191 Millionen Einwohnern und Russland mit 142 Millionen machten 3% sowie 2% der Weltbevölkerung aus. Die  EU27 mit 501 Millionen Einwohnern hatte einen Anteil von 7% an der Weltbevölkerung.  In den BRIC-Staaten reichte die Bevölkerungsdichte im Jahr 2010 von 8 Personen je km²in Russland und 22 in Brasilien bis 382 Personen je km², in Indien und 141 in China, gegenüber 116 Personen je km²in der EU27.

Im Allgemeinen ist die Bevölkerung in den BRIC-Staaten jünger als in der EU. Im Jahr 2010 hatten die unter 15-jährigen einen Anteil von 31% an der Bevölkerung  Indiens, 24% in  Brasilien, 19% in  China und 15% in Russland. In der EU27 war 16% der Bevölkerung unter 15 Jahren. Die EU27 hatte einen deutlich höheren Anteil von über 60-jährigen Personen an der Bevölkerung als die BRIC-Staaten.
Von den BRIC-Staaten verzeichnete China im Jahr 2009 die höchste Lebenserwartung bei der Geburt (72 Jahre für Männer und 76 für Frauen), gefolgt von Brasilien (70 für Männer und 77 für Frauen), Russland (63 für Männer und 75 für Frauen) und Indien (63 für Männer und 66 für Frauen). Die durchschnittliche Lebenserwartung in der EU27 betrug 77 Jahre für Männer und 83 für Frauen.

Die EU verfügt über strategische Partnerschaften mit allen BRIC-Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China. Auch wenn die BRIC-Staaten einige Gemeinsamkeiten aufweisen, wie bspw. eine große Bevölkerung, hohe Landbedeckung und ein hohes Wirtschaftswachstum, gibt  es ebenfalls große wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen ihnen. Um einen Vergleich zwischen den vier BRIC-Staaten und der EU zu ermöglichen, veröffentlicht Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, den Bericht "The European Union and the BRIC countries".

The European Union and the BRIC countries. Dieses Pocketbook gibt erstmals einen statistischen Überblick über die EU-27 im Vergleich zu den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China). Es ist in zehn Abschnitte gegliedert: Demografie; Wirtschaft; Gesundheit; Bildung; Arbeitsmarkt; Warenverkehr; Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei; Energie und Umwelt; Verkehr und Nachrichtenübermittlung; Wissenschaft und Technologie. Links zu Datenbanken von Eurostat und anderen nationalen und internationalen Datenquellen sowie methodische Hinweise ermöglichen es, sich mit diesen Themen intensiver zu beschäftigen.

[Faires Europa.] LINK ➨  


Was kann man finden? Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis von "The European Union and the BRIC countries":
Table of contents


Acknowledgments 3
Introduction  7
Symbols and abbreviations  11
Chapter 1 -  Demography 13
Chapter 2 -  Economy  29
Chapter 3 -  Health 39
Chapter 4 -  Education 49
Chapter 5 -  Labour market  61
Chapter 6 -  Trade in goods  71
Chapter 7 -  Agriculture, forestry and fisheries 87
Chapter 8 -  Energy and environment 101
Chapter 9 -  Transport and communication 111
Chapter 10 - Science and technology 121

Samstag, 26. Mai 2012

EU will in Argentinien mit WTO Marktöffnung erzwingen

„Die Einfuhrbeschränkungen Argentiniens verstoßen gegen internationale Handelsregeln und müssen aufgehoben werden" poltert  EU-Handelskommissar Karel De Gucht. 


Die im Jahr 2011 geltenden Beschränkungen betrafen europäische Ausfuhren im Wert von etwa 500 Mio. EUR. Seitdem die Maßnahmen 2012 auf alle Waren ausgedehnt wurden, sind potenziell alle EU-Ausfuhren (2011: 8,3 Mrd. EUR) nach Argentinien betroffen. 

Krisenmodell Argentininen. Eben noch hörten wir Lobtiraden über Argentinien, wie es seine Finanzkrise seit 2001 meistern konnte und welch gutes Beispiel es für Griechenland wäre. Besonders gelobt wird - mit Argumentation für einen Austritt Grigechenlands aus der Eurozone  - Argentiniens Finanzkollaps und die Restrukturierung des Landes ab 2001. Damals wurde bekanntlich (u.a.) der Peso vom Dollar abkoppelt.

Freilich ist das eine allzu verkürzte Betrachtung und scheinen die Schritte die Argentinien zur Wiederherstellung der finanziellen und ökonomischen Autonomie gesetzt hat, nur sehr einseitig unter fiskalpolitischen Gesichtspunkten beobachtet worden zu sein. Jedenfalls stößen sich die Chikago-Boys in der EU-Kommission nun in der eigenen Krise plötzlich daran, dass Argentinien zum Schutz seiner Arbeitnehmer die Terms of Trade und damit die Grenzen für Importe nicht unendlich offen gestalten will. Offenbar will man wieder zurück zu einem desolaten Argentinien welches um die Jahrtausendwende eben deshalb ruiniert war, weil sich die Regierung als neoliberale Musterschüler benahmen: Marktöffnung, Totalprivatisierung, Sparpolitik, hohe Zinsen bei fixem Wechselkurs.

EU geht gegen Einfuhrbeschränkungen Argentiniens vor. Die EU hat mit 25. Mai 2012 bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf Beschwerde gegen die Einfuhrbeschränkungen Argentiniens eingelegt. Im Rahmen der WTO-Streitbeilegungsverfahren beantragt die EU zunächst Konsultationen mit Argentinien um die Aufhebung dieser Maßnahmen zu erwirken, die sich negativ auf den Handel und die Investitionen der EU auswirken. Zu den argentinischen Beschränkungsmaßnahmen zählen das System der Einfuhrlizenzen, insbesondere die Verfahren zur Erteilung dieser Einfuhrlizenzen, sowie die Verpflichtung für Unternehmen, Einfuhren und Ausfuhren im Gleichgewicht zu halten. Die Konsultationen stellen die erste Phase im WTO-Streitbeilegungsverfahren dar. Wird innerhalb von 60 Tagen keine Lösung gefunden, kann die EU die Einsetzung eines WTO-Panels beantragen, das über die Rechtmäßigkeit der argentinischen Maßnahmen befinden wird.

„Die Einfuhrbeschränkungen Argentiniens verstoßen gegen internationale Handelsregeln und müssen aufgehoben werden" poltert  EU-Handelskommissar Karel De Gucht. Konkret geht es der EU um folgende Bestimmungen:
  • In Argentinien unterliegt die Einfuhr aller Waren einem Verfahren der Vorabregistrierung und Vorabgenehmigung, der „Declaración Jurada Anticipada de Importación“. Seit Februar 2012 ist diese Vorabgenehmigung für alle Einfuhren erforderlich.
  • Für Hunderte von Waren werden darüber hinaus Einfuhrlizenzen verlangt. Auf der Grundlage dieser Verfahren werden Einfuhren aus nicht transparenten Gründen systematisch verzögert oder verweigert. Anfang 2011 galt diese Lizenzregelung für über 600 Produktarten, z. B. Elektrogeräte, Kraftfahrzeugteile und chemische Erzeugnisse.
  • Argentinien verlangt, dass Importeure ihre Einfuhren mit Ausfuhren ausgleichen oder bei ihren in Argentinien hergestellten Waren mehr lokale Bestandteile verwenden oder keine Gewinne ins Ausland transferieren. Diese Verfahrensweise ist systematisch, nicht schriftlich dokumentiert und nicht transparent. Das Einverständnis der Importeure mit dieser Verfahrensweise ist offenbar Voraussetzung für den Erhalt einer Einfuhrlizenz für ihre Waren. Diese Maßnahmen verzögern oder verhindern die Wareneinfuhr an der Grenze. Für die EU-Wirtschaft und die Weltwirtschaft entstehen dadurch hohe Verluste.
[Faires Europa.] LINK ➨ 
EU challenges Argentina's import restrictions

Statistiken zum Handel zwischen der EU und Argentinien
EU-Handelsbeziehungen mit Argentinien

[Letzte Aktualisierung 29.5.12]